Der kleine Ali wollte dem „bestesten Mann der Welt“ einen Brief schreiben, doch so sicher ist der Flüchtlingsjunge, der die vierte Klasse der Klaus-Groth-Schule besucht, noch nicht in dieser Kunst. Deshalb haben ihm die Mädchen und Jungen aus seiner „Wolf“-Klasse geholfen. Auch sie werden, wie Schulleiterin Andrea Bruhn und ihr Kollegium, Alis Wohltäter, der unerkannt bleiben möchte, nicht vergessen.

Der besondere Tag für den Jungen fing mit einer Fahrradprüfung an. Die Kinder waren in der Umgebung der Schule, die ihre Adresse in der Richard-von Hagn-Straße hat, zum Üben auf Drahteseln unterwegs: 13 Mädchen und zehn Jungen – bis auf Ali, der sich ab und zu ein Rad für eine Übungsfahrt ausleihen durfte. Diese Szene muss ein Husumer beobachtet haben. Kurze Zeit später suchte er Andrea Bruhn auf. „Ich dachte sofort, dass es nun eine Beschwerde gibt, weil ein Kind mit seinem Rad etwas beschädigt hat.“ Was dann kam, war für die Schulleiterin eine Riesenüberraschung. Und für Ali erst. „Ich habe eben gesehen, dass ein Junge kein Fahrrad hat. Ich möchte ihm eines schenken.“ Und nach einer Pause: „Ich weiß, was es heißt, arm zu sein.“

Nachdem die Personalien geklärt waren, machte sich Ali zusammen mit dem großherzigen Mann auf den Weg, um sein Fahrrad zu kaufen. Mit dem funkelnagelneuen Stück im Kofferraum fuhren beide eine halbe Stunde später wieder vor der Schule vor. Es war Alis Glückstag. Er strahlte über das ganze Gesicht und meinte verschmitzt: „Jetzt kann ich auch mal angeben.“

„Dieser Mann ist ein Engel“, sagte später eine Großmutter, die in der Brötchen-Ecke der Schule aushalf – denn natürlich war der Fahrradkauf das Thema des Tages in der kleinen Grundschule.

Quellenhinweis: „Ich weiß, was es bedeutet, arm zu sein“ sh:z/ Husumer Nachrichten vom 24. März 2017/ Text: Simone Schlüter, Foto: Klaus-Groth-Schule

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